Noch immer gehört die Pflege eines Angehörigen zu den wichtigsten Gründen, warum Beschäftigte ihre Arbeitszeit reduzieren oder sogar ganz aus dem Berufsleben ausscheiden. Ein großer Verlust, nicht nur für Unternehmen und den Arbeitsmarkt, sondern auch für die pflegenden Angehörigen selbst. Denn Arbeit kann eine wichtige Ressource für Selbstwirksamkeit, soziale Teilhabe und Resilienz sein. Gleichzeitig bleibe die informelle Pflege im Unternehmenskontext häufig unsichtbar. Darauf wies Klaudia Birkenfeld, Leiterin des Kompetenzzentrums Frau und Beruf der Emscher-Lippe-Region, im Rahmen der Veranstaltung hin.
Umso wichtiger sei es, gute Beispiele für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sichtbar zu machen und das Thema aus der Tabuzone zu holen. Genau hier setzte die Veranstaltung an: Sie bot den Teilnehmenden Raum für Information, Austausch und praxisnahe Einblicke in gelungene Ansätze aus der Region.
Ein besonderer Programmpunkt war die Vorstellung des neuen digitalen Pflegeatlas der WiN Emscher-Lippe. Das Angebot soll Unternehmen sowie pflegende Angehörigen dabei unterstützen, sich schneller im oft komplexen Unterstützungs- und Hilfesystem zurechtzufinden und passende Anlaufstellen zu finden.
Darüber hinaus präsentierten Anna-Lena Karl, stellvertretende Leitung der Regionalagentur Emscher-Lippe, und Anna Kemperdiek, Projektberaterin in der Regionalagentur und Koordinatorin des Just Transition Funds, die Pflegekampagne der WiN Emscher-Lippe. Ziel der Kampagne sei es, farbenfroh das Thema Angehörigenpflege stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, Vorurteile abzubauen und Betroffene zu ermutigen, offen über ihre Pflegesituation zu sprechen. Im Mittelpunkt steht dabei eine klare Botschaft: Pflege bedeutet Kompetenz. Fähigkeiten, die durch die Pflege eines Angehörigen erworben werden, verdienen Anerkennung und sollten künftig als wertvolle Stärke und Wettbewerbsvorteil wahrgenommen werden.
„Mit unserem Angebot des Pflegeatlas und der Vereinbarkeitskampagne schaffen wir ein regionales Matching-Angebot. Im Rahmen unserer Veranstaltung haben wir vorbildliche Unternehmen ausgezeichnet, die Vereinbarkeit ganzheitlich und als Wettbewerbsvorteil würdigen“ Dr. Babette Nieder
Chiara Vogt, selbst ausgebildete Pflegeguidin der Emscher-Lippe-Region und Mitarbeiterin im Kompetenzzentrum Frau und Beruf, verdeutlichte in ihrem Beitrag die Bedeutung einer ersten Anlaufstelle im Unternehmen. Pflegeguides können Beschäftigten eine erste Orientierung im Unterstützungs- und Hilfesystem bieten und sie an die richtigen Stellen weitervermitteln. Insbesondere für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sei dies ein großer Mehrwert für Unternehmen und Mitarbeitende gleichermaßen.
Die Veranstaltung machte eindrucksvoll deutlich: Eine pflegefreundliche Arbeitswelt ist nicht nur eine gesellschaftliche Notwendigkeit, sondern auch ein wichtiger Baustein für Fachkräftesicherung und Mitarbeitendenbindung. Der Abend bot zahlreiche Gelegenheiten zum Austausch, inspirierende Praxisbeispiele und neue Impulse. Er machte Mut und zeigte, was bereits heute möglich ist, wenn Unternehmen, Institutionen und Beschäftigte gemeinsam an einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege arbeiten.
Ihre Kontaktpersonen
Anna-Lena Karl
stv. Projektleiterin & Projektberaterin
Anna Kemperdiek
JTF-Projektberaterin & Projektberaterin
Klaudia Birkenfeld
Leiterin Kompetenzzentrum Frau & Beruf
Chiara Vogt
Projektmanagerin Kompetenzzentrum Frau & Beruf



















