Die H2EL Wasserstoffkoordination hat gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Hydrogen Metropole Ruhr im Rahmen einer Delegationsreise den RWE‑Elektrolyseurstandort in Lingen besucht. Für H2EL nahmen Pia Aleithe und Jan‑Christopher Przybilla teil. Ziel des Austauschs war es, einen fundierten Überblick über den aktuellen Projektstand des GET H2‑Nukleus zu erhalten sowie zentrale Entwicklungen der regionalen Wasserstoffinfrastruktur aus erster Hand kennenzulernen.
Im direkten Dialog mit Projektverantwortlichen wurde deutlich, dass das Vorhaben zu den maßgeblichen Leuchtturmprojekten des Wasserstoffhochlaufs in Deutschland und Europa zählt. Der im Aufbau befindliche 300‑MW‑Elektrolyseur unterstreicht die strategische Bedeutung des Standorts Lingen als künftiger Knotenpunkt für die großskalige Erzeugung von grünem Wasserstoff.
Felix C. Ringenberg (RWE) gab Einblicke in den Projektfortschritt und verwies gleichzeitig auf die bestehenden Herausforderungen beim Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Neben infrastrukturellen Fragestellungen stehen dabei insbesondere regulatorische Rahmenbedingungen sowie wirtschaftliche Aspekte im Fokus.
Fortschritte im Projekt GET H2‑Nukleus
Der GET H2‑Nukleus gehört zu den größten europäischen Initiativen zur industriellen Produktion von grünem Wasserstoff. Die Projektentwicklung erfolgt schrittweise und verbindet bereits heute Pilotbetrieb mit perspektivischem Ausbau auf industrielle Kapazitäten.
Bereits in Betrieb befindet sich eine 14‑MW‑Pilotanlage, die ersten grünen Wasserstoff erzeugt. Dieser wird künftig unter anderem über den sogenannten „H2‑Filling Hub“ nutzbar gemacht. Der Hub umfasst eine Trailer‑Abfüllstation sowie eine Wasserstofftankstelle und befindet sich derzeit im Probebetrieb. Der spätere Betrieb wird von der Westfalen AG übernommen.
Im Rahmen des Besuchs wurden auch konkrete technische Leistungsdaten vorgestellt: In der Trailer‑Abfüllstation können nach Angaben von Marie Honerpeick (Westfalen AG) bis zu 100 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde abgefüllt werden. Damit wird ein zentraler Baustein für die flexible Verteilung von Wasserstoff an unterschiedliche Abnehmer geschaffen.
Dynamische Infrastrukturentwicklung im Emsland
Über den Einzelstandort hinaus wurde die dynamische Entwicklung der Wasserstoffinfrastruktur in der Region Emsland deutlich. Wie Dr. Tim Husmann (H2‑Region Emsland) erläuterte, entstehen derzeit zahlreiche ergänzende Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Ein wesentlicher Faktor ist die Anbindung an das geplante Wasserstoff‑Kernnetz: Insgesamt 13 Anschlusspunkte sind für die Region vorgesehen. Diese breite Integration schafft die Voraussetzungen für eine leistungsfähige Wasserstoffversorgung sowohl für industrielle Anwendungen als auch für den Mobilitätssektor. Die Finanzierung dieser Infrastrukturmaßnahmen erfolgt gemeinschaftlich durch den Landkreis sowie die beteiligten Kommunen und unterstreicht die regionale Verankerung des Transformationsprozesses.
Relevanz für die Emscher‑Lippe Region
Für die Region Emscher‑Lippe ergeben sich aus den Entwicklungen am Standort Lingen wichtige Impulse. Insbesondere der Zugang zu wachsenden Erzeugungskapazitäten für grünen Wasserstoff eröffnet Perspektiven für die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien.
Darüber hinaus bietet das Projekt wertvolle Erfahrungsgewinne im Hinblick auf Planung, Bau und Betrieb großskaliger Elektrolyseanlagen. Diese Erkenntnisse sind von zentraler Bedeutung für die Übertragbarkeit auf weitere Standorte und für die Beschleunigung des Wasserstoffhochlaufs insgesamt.
Nicht zuletzt stärkt die enge Vernetzung der Akteure die interregionale Zusammenarbeit und unterstützt die strategische Positionierung der Emscher‑Lippe Region innerhalb der entstehenden Wasserstoffwirtschaft.
Austausch auf Augenhöhe
Die Delegationsreise bot eine wichtige Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Projektentwicklern, regionalen Initiativen und politischen Akteuren. H2EL bedankt sich bei der Hydrogen Metropole Ruhr sowie bei den beteiligten Expertinnen und Experten von RWE, der Westfalen AG und der H2‑Region Emsland für die offenen Einblicke und die konstruktiven Gespräche.
Der Besuch in Lingen verdeutlicht:
Der Wasserstoffhochlauf nimmt zunehmend konkrete Formen an: Großskalige Projekte wie GET H2‑Nukleus spielen dabei eine zentrale Rolle für die industrielle Transformation und die Erreichung der Klimaziele.
(c) Fotos: BMR – Business Metropole Ruhr






