Chemie in der Emscher-Lippe Region am Scheideweg
Vergangenen Freitag organisierte der ChemSite e.V. zusammen mit der WiN eine Pressekonferenz mit hochrangigen Vertretern aus Politik und Wirtschaft.
Dabei herrschte große Einigkeit und die Botschaften sind klar:
Bodo Klimpel, Landrat Kreis Recklinghausen und WiN-Präsidiumsvorsitzender: „Die Chemie ist das Herz unserer regionalen Wirtschaft. Deshalb setzen wir uns für bessere Wettbewerbsbedingungen ein, um die drohende Deindustrialisierung mit einem Verlust von bis zu 40.000 Arbeitsplätze zu verhindern.“
Thomas Wessel, Personalvorstand Evonik Industries AG:
„Es besteht die Gefahr von Dominoeffekten, die sich, einmal in Gang gesetzt, nicht aufhalten lassen. Der Chemie- und Raffineriepakt NRW ist ein starkes Signal – jetzt muss die Politik auf Bundes- und EU-Ebene schnell liefern, damit die chemische Industrie auch zukünftig hier produziert, investiert und Arbeitsplätze sichert.“
Andrea Henze, Oberbürgermeisterin Gelsenkirchen und Thomas Terhorst, Bürgermeister Marl, schlossen sich dieser Sicht an und verwiesen auch auf die Konsequenzen für Gewerbesteuer und Stadtentwicklung.
Dr. Paul Olbrich, Vorsitzender ergänzte:
„Hohe Energiekosten und die Vorgaben für CO₂-Emissionen benachteiligen die heimische Chemie im globalen Wettbewerb. Erste Anlagen werden bereits geschlossen. Der Chemiecluster ist grundsätzlich robust, sofern nicht wichtige Teile aus dem Verbund herausgebrochen werden.“
Dr. Jochen Grütters, stellv. Hauptgeschäftsführer IHK Nord Westfalen fasst es zusammen:
„Wenn wir nicht zügig alle Hebel zur Reduktion der Energiekosten umlegen, gehen in der Industrie in der Emscher-Lippe Region bald die Lichter aus.“
Verena Gärtner, Bereichsleiterin IGBCE und Mark Rosendahl, Geschäftsführer der DGB Region Emscher-Lippe betonten, dass „Klimaschutz vorangetrieben werden muss und dafür Instrumente erforderlich sind. Eine Deindustrialisierung nutzt weder dem Klimaschutz noch der Innovationsfähigkeit und bedroht Arbeitsplätze, Wertschöpfung und damit die ganze Region“.
Dr. Babette Nieder, Geschäftsführerin WiN ergänzte:
„Wasserstoff ist ein zentraler Baustein für die hiesige Industrie, Know-how und Infrastruktur sind vorhanden. Auf dem Weg zu ausreichenden Mengen von bezahlbarem grünem Wasserstoff muss auch blauer Wasserstoff erlaubt sein“.
Die zentralen Forderungen der regionalen Akteure an Bund und EU in Kurzform:
➡️Unverzügliche Einführung des Industriestrompreises
➡️Verlängerte Ausgabe kostenloser CO₂-Zertifikate
➡️Entwicklung von CCS-Technologien & rechtlicher Rahmen für CO₂
➡️Pragmatische Kriterien für blauen Wasserstoff.
Dieser Forderungskatalog wurde den Bundestagsabgeordneten Nicklas Kappel und Dr. Lars Ehm mit nach Berlin gegeben.
Foto: Marco Stepniak (RDN Agentur)




