vlnr: Peter Karst (Umbau 21) und Minister Garrelt Duin (MWEIMH) beim Breitbandgespräch im Kreishaus Recklinghausen. Foto: Christian Kuck vlnr: Peter Karst (Umbau 21) und Minister Garrelt Duin (MWEIMH) beim Breitbandgespräch im Kreishaus Recklinghausen. Foto: Christian Kuck

Vorsprung ausbauen, Breitband systhematisch entwickeln

Abschlussbericht zum Breitbandausbau Emscher-Lippe vorgelegt

EMSCHER-LIPPE. Der Zugang zu schnellem Internet wird immer mehr zum Standortvorteil für Unternehmen – und die Emscher-Lippe-Region hat gute Chancen, beim Breitbandausbau einen weiteren Schritt voranzugehen. Das ist das Fazit einer nun veröffentlichten Studie der WiN Emscher-Lippe. Demnach ist die Versorgung im nördlichen Revier heute schon besonders gut. Es wurden gleichzeitig Strategieempfehlungen erarbeitet, um auch künftig weiter vorne dabei zu sein. „Uns liegt jetzt eine detaillierte Grundlage für einen erfolgreichen weiteren Breitbandausbau in der Region vor“, sagt Peter Karst, Geschäftsführer der WiN Emscher-Lippe GmbH. Auf seiner Sitzung hat sich das Präsidium der WiN auf das weitere Vorgehen verständigt. In ausgewählten Pilotgebieten soll in jeder der zwölf Städte der Emscher-Lippe-Region der Breitbandausbau in den nächsten Monaten forciert werden.

Die WiN hatte das Projekt „Breitbandausbau Emscher-Lippe“ koordiniert und hierzu eine Machbarkeitsstudie und einen Masterplan für Wirtschaftsstandorte in Auftrag gegeben. Ein wichtiges Fazit der Studie: „Für den wirtschaftlichen Erfolg der Region ist der Ausbau des Glasfasernetzes heute so wichtig wie früher der Anschluss ans Strom- oder Wassernetz“, sagt Claus Wissing, Geschäftsführer der WiR Solutions GmbH, die von April bis September die Chancen eines zügigen Breitbandausbaus geprüft hat. Demnach ist der urbane Süden der Emscher-Lippe-Region bereits besser versorgt als der eher ländliche Norden. Der Anteil von gewerblichen Anschlüssen mit Übertragungsraten von mindestens 100 MBit ist in Recklinghausen (68 %), Gelsenkirchen (62 %) und Castrop-Rauxel (58 %) am höchsten. Im Norden liegt der Anteil solcher Anschlüsse lediglich zwischen 23 (Haltern) und 44 Prozent (Marl). Eine Karte zur IST-Situation wird in Kooperation mit dem Kreis Recklinghausen im Webportal www.regioplaner.de veröffentlicht.

Beim Glasfaserausbau weitere Partner beteiligen

In der Studie ging es zunächst um eine ausführliche Versorgungsanalyse des Ist-Zustandes, erklärt Wissing: „Wir haben 60 verschiedene Netzinhaber in der Region kontaktiert und Daten über vorhandene und geplante Netze zusammenzutragen“, so der WiR-Geschäftsführer. Darunter waren nicht nur Telekommunikationsunternehmen, sondern etwa auch Gas- und Wasserversorger oder Verkehrsbetriebe. Hintergrund war, zukünftig alle geeigneten Infrastrukturen für den Ausbau der Datenversorgung zu nutzen und so Ausbaukosten zu sparen. So identifizierte die Studie neben den bestehenden 2.000 Kilometern Glasfasernetz zusätzlich 1.800 Kilometer Leerrohre, die eventuell für einen weiteren Glasfaserausbau genutzt werden könnten.

Vier Arten von Ausbaugebieten

Zusätzlich ermittelte eine Bedarfsanalyse Lage und Bedarf von Unternehmen. Im Schnitt benötigen sie eine synchrone Wunschbandbreite von 100 Mbit für Down- und Upload. Ein weiteres Ergebnis: Bereits heute treffen Unternehmen Standort­entscheidungen auf Basis der Versorgungslage. Auf der so gewonnenen Datengrundlage ließ sich das Kundenpotenzial für Glasfaseranschlüsse dem voraussichtlichen Aufwand zur Erschließung der entsprechenden Gebiete gegenüberstellen. So wurden vier Typen von Ausbaugebieten und Strategien zu ihrer Erschließung identifiziert.

Die Abbildung verdeutlicht den Anteil der potenziellen Ausbaugebiete bei Gewerbe und Industrie nach den oben genannten Strategiefeldern und Städten. Quelle: Abschlussbericht NGA-Ausbau für die Emscher-Lippe-Region 2016.

Nach den Ergebnissen des Masterplans kann ein Fünftel der als „Ausbaugebiete“ bezeichneten Standorte schon jetzt rein marktgetrieben und ohne zusätzliche kommunale Investitionen erschlossen werden. In weiteren Gebieten ist eine Bündelung der Nachfrage oder Kooperation mit Netzinhabern ratsam. In schlecht erschließbaren, weniger besiedelten Gebieten sollte der Ausbau mithilfe von Fördermitteln auch für die Haushalte in der Region vorangetrieben werden.

Die Abbildung verdeutlicht den Anteil der potenziellen Ausbaugebiete bei Gewerbe und Industrie nach den oben genannten Strategiefeldern und Städten. Quelle: Abschlussbericht NGA-Ausbau für die Emscher-Lippe-Region 2016.

Jetzt Weichen für die Zukunft stellen

Den Auftakt des aus Kohlerückzugsmitteln des Landes geförderten Projektes hatte die WiN am 22. April zusammen mit den 13 Breitbandbeauftragten der Region gegeben. „Wir sind besonders Wirtschaftsminister Garrelt Duin für seine ideelle und finanzielle Unterstützung des Projekts dankbar!“, sagt WiN-Geschäftsführer Peter Karst. „Mit dem Projekt haben wir die Informationsbasis für den NGA-Ausbau geschaffen, jetzt gilt es, die Weichen für die Zukunft zu stellen – damit die Emscher-Lippe-Region ein wettbewerbsfähiger Standort bleibt.“ Auch für die nächsten Schritte der konkreten Umsetzung wird die WiN weiterhin die Klammer des Prozesses in der Region bilden. Spürbare Ergebnisse kündigte Karst bereits für das nächste Jahr an. Bis zum Sommer 2017 sollen die ersten Pilotgebiete an das Breitbandnetz angeschlossen sein.

 

Weitere Informationen zum Förderprojekt finden Sie hier.

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